Anfang Oktober färben sich die Niederlande wieder bunt mit Lesezeichen, Vorlesestunden und Lehrkräften, die verkleidet in die Schule kommen. Es ist die Kinderbuchwoche. Schulen und Bibliotheken setzen dann alles daran, Kinder für das Lesen zu begeistern.
Bei vielen Eltern weckt dies eine bekannte Frage: Mein Kind liest nicht so gerne, was kann ich dagegen tun? Diese Frage ist aktueller denn je. Untersuchungen der Stichting Lezen (Stiftung Lesen) zeigen, dass der Spaß am Lesen bei niederländischen Kindern seit Jahren abnimmt, insbesondere bei Kindern zwischen 9 und 12 Jahren. Auch die internationale PIRLS-Studie belegt, dass niederländische Kinder zwar technisch ordentlich lesen können, aber im Vergleich zu Kindern in anderen Ländern relativ wenig Lesefreude empfinden.
Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, darüber nachzudenken, was Lesefreude eigentlich fördert. Und hier gibt es eine überraschende Verbindung zu etwas, womit sich Zappie schon länger beschäftigt: das praxisnahe, zielgerichtete Arbeiten an etwas, dessen Ergebnis man selbst bestimmt.
Warum Lesefreude wichtiger ist als das Leseniveau
Lesekompetenz und Lesefreude sind nicht dasselbe. Ein Kind kann technisch zwar gut lesen, aber trotzdem kein Buch aufschlagen, wenn es das nicht von sich aus will.
Untersuchungen, unter anderem von der OECD, zeigen, dass Lesefreude ein stärkerer Indikator für spätere schulische Leistungen ist als der sozioökonomische Hintergrund. Kinder, die gerne lesen, lesen häufiger. Kinder, die häufiger lesen, werden von selbst besser im Lesen. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt, in positiver oder negativer Richtung. Die praktische Frage für Eltern lautet also nicht nur „Wie bringe ich meinem Kind bei, besser zu lesen“, sondern vor allem: „Wie sorge ich dafür, dass mein Kind von sich aus lesen will?“
Was Lesefreude und praktisches Spielen gemeinsam haben
Ein gutes Buch funktioniert eigentlich genauso wie ein gutes Bauprojekt. Beides hält ein Kind aktiv in einem Prozess: Man weiß noch nicht genau, wie es ausgeht, aber man ist motiviert, es herauszufinden.
Kinderpsychologen nennen dies intrinsische Motivation: etwas tun, weil man es selbst interessant findet, nicht weil man es muss. Beim Lesen entsteht diese Motivation durch die Neugier auf die Geschichte. Beim Bauen, Experimentieren und Konstruieren entsteht dieselbe Motivation, weil ein Kind wissen will, ob etwas funktioniert.
Es gibt noch eine Gemeinsamkeit. Beide Aktivitäten erfordern Durchhaltevermögen. Ein spannendes Buch zu Ende zu lesen, kostet Zeit und Konzentration. Ein Bausatz fertigzustellen ebenfalls. Kinder, die häufiger erfahren, dass sich Durchhalten lohnt, entwickeln ein festeres Fundament, um auch beim Lesen dranzubleiben, wenn ein Buch einmal schwierig wird.
Praktische Tipps zur Förderung der Lesefreude
Experten der Stichting Lezen und der KB (Königliche Bibliothek) geben Eltern schon seit Jahren ähnliche Ratschläge. Einige davon sind direkt anwendbar, auch außerhalb der Kinderbuchwoche.
- Lassen Sie Ihr Kind selbst wählen. Ein Kind, das selbst ein Thema oder Genre aussucht, liest lieber als ein Kind, dem ein Pflichtbuch vorgesetzt wird.
- Lesen Sie selbst sichtbar. Kinder kopieren Verhalten. Ein Elternteil, das ab und zu mit einem Buch auf dem Sofa sitzt, normalisiert das Lesen als Freizeitbeschäftigung.
- Sprechen Sie über die Geschichte. Fragen Sie nicht nur „Hast du es zu Ende gelesen?“, sondern „Was würdest du in dieser Situation tun?“. Das macht das Lesen aktiver und persönlicher.
- Kombinieren Sie Lesen mit Handeln. Ein Buch über die Raumfahrt macht doppelt Spaß, wenn man sich danach selbst damit beschäftigt, zum Beispiel indem man einen eigenen Rover baut und entdeckt, wie er sich über „Marsboden“ bewegt.
- Machen Sie keinen Leistungsdruck daraus. Lesefreude sinkt gerade dann, wenn Lesen vor allem mit Tests und Niveaustufen verknüpft wird. Freiwilliges Lesen darf auch einfach nur Spaß machen.
Geschichte und Fantasie fließen ins Spiel ein
Viele Kinder verarbeiten das Gelesene automatisch in ihrem Spiel. Ein Buch über Spione führt zu geheimen Missionen im Garten. Eine Geschichte über das Weltall wirft Fragen darüber auf, wie Raketen und Rover eigentlich funktionieren. Das ist kein Zufall: Fantasie verlangt nach einem Ventil. Für Eltern ist das eine schöne Gelegenheit. Indem man nach dem Lesen Raum gibt, die Geschichte physisch umzusetzen, bleibt ein Kind länger bei dem Thema und vertieft die Auseinandersetzung mit dem soeben Gelesenen. Bauen, Experimentieren und Vorstellen verstärken sich gegenseitig.
Kurz zusammengefasst
Die Kinderbuchwoche ist ein schöner Moment, um kurz innezuhalten und nicht nur das Leseniveau, sondern auch die Lesefreude zu betrachten. Untersuchungen zeigen, dass Freude der wichtigste Motor für die Leseförderung auf lange Sicht ist. Indem Sie Kinder selbst wählen lassen, mit gutem Beispiel vorangehen und Geschichten mit aktivem Spiel verknüpfen, helfen Sie, diesen Motor in Gang zu bringen.
Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Ihr Kind abseits vom Bildschirm neugierig zu halten? Bei Zappie glauben wir, dass Lernen am besten funktioniert, wenn Kinder selbst entdecken – egal, ob mit einem Buch in der Hand oder mit einem selbstgebauten Bausatz auf dem Tisch.